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Abschrift der Passauer Neue Presse am 18.3.1981

Vogelzucht- und Vogelschutzverein Waldkirchen wurde gegründet
Hermann Mayer ist erster Vorsitzender - Landesverband Bayern besteht seit 84 Jahren

Nach der Gründung des neuen Vereins (von links):
Vizepräsident Sepp Fischer, 1. Vorsitzender Hermann Mayer, sein Stellvertreter Josef Kern, Schriftführer Ludwig Penzenstadler, Kassier Karl Binder und Bezirksrat Heinrich Schmidhuber.
Waldkirchen
Seit Sonntag gibt es einen Vogelzucht- und Vogelschutzverein Waldkirchen und Umgebung. Die derzeitige Mitgliederzahl von 15 soll in nächster Zeit möglichst stark erhöht erden. Bezirksrat und zweiter Bürgermeister Heinrich Schmidhuber sagte, daß Natur und Vogelschutz wichtige Aufgaben wahrzunehmen hätten, da durch den Eingriff des Menschen in der Natur bereits viele Vogelarten vom Aussterben bedroht seien.

Zur Gründungsversammlung konnte der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Niederbayern / Oberpfalz der Vogelschützer und Vogelzüchter Sepp Fischer aus Plattling der zugleich Vizepräsident des bayerischen Landesverbandes ist, im Gasthof Diesing 15 interessierte Zuhörer begrüßen, die anschließend alle dem neugegründeten Verein beitraten. Wie Fischer ausführte, waren es Natur- und Vogelliebhaber, die im Jahre 1897 in Bayern einen Landesverband für Vogelzucht- und Vogelschutzvereine gründeten. Dieser Verband habe sich in der Heimatpflege mit Schutz und Hege der Vogelwelt große Verdienste erworben. Eine veränderte Umwelt bedrohe insgesamt unsere Tierwelt. "Vogel-, Natur- und Umweltschutz sind voneinander nicht zu trennen", betonte Sepp Fischer. Weiter erklärte er, daß der gefiederte Freund des Menschen, nämlich der Vogel, außer seinen natürlichen Aufgaben im Naturhaushalt auf für den Menschen durch nichts zu ersetzende Dienste leiste. Über drei Millionen Vögel würden heute in der Bundesrepublik in den Wohnungen gehalten, für viele Kinder ein erster, lebendiger und braver Spielgefährte und für alte Menschen oftmals noch der einzige Lebensgefährte, vielmals einziger Ansprechpartner bis zur letzten Stunde. Das liebenswerte und schöne Lebewesen "Vogel" sei zum Schutz der Umwelt und ihres ökologischen Gleichgewichtes von größter Wichtigkeit. Eine "tödliche" Stille in Wald, Feld und Garten lasse nicht nur das Leben, die Farbenpracht und den Gesang der Vögel vermissen. Diese Stille sage auch etwas über das Leben und die Gesundheit von Wald und Feld selbst aus. "Was muß das für ein Wald sein, in dem nicht einmal mehr ein Vogel leben will oder kann", meinte Vizepräsident Fischer. Mit dem Verschwinden jeder Vogelart werde aus dem Gesamtgefüge "Natur" ein Baustein herausgebrochen. Eine Entwicklung, die Pflanzen und Tiere gefährdet, könne dem Menschen als "Teil der Natur" nicht gleichgültig sein. Vogelzüchter seien nachweisbar auch gute Vogelschützer und damit ausgezeichnete Natur- und Umweltschützer. Aus diesem Grunde sei es nur zu begrüßen, wenn auch in Waldkirchen ein solcher Verein aus der Taufe gehoben werden könnte.

Zweiter Bürgermeister Schmidhuber meinte, daß Natur- und Vogelschutz wichtige Aufgaben wahrzunehmen hätten, da durch den Eingriff des Menschen in die Natur bereits viele Vogelarten vom Aussterben bedroht seien. Die Tierwelt in der freien Natur gerate durch Baumaßnahmen und andere Eingriffe des Menschen immer mehr in Gefahr. Deshalb werde auch der Bezirk Niederbayern die Ausweisung von Vogelschutzgebieten unterstützen. Auch von der Stadt her begrüßte man die Gründung eines Vogelzucht- und Vogelschutzvereins in Waldkirchen. Alle sollten ihren Beitrag leisten, um die Freude an der Begegnung mit der Natur zu erhalten.

Alle anwesenden 15 Vogelfreunde erklärten dann den Beitritt zu dem Verein. Die Wahl der Vorstandschaft brachte folgendes einstimmiges Ergebnis: 1. Vorsitzender: Hermann Mayer; Stellvertreter: Josef Kern; 1. Kassier: Karl Binder; 2. Kassier Hermann Niedermeier; 1. Schriftführer: Ludwig Penzenstadler; 2. Schriftführer: Erich Süß. Der Jahresbeitrag wurde auf 15, -- DM festgesetzt, für Schüler und Jugendliche bis zu 16 Jahren beträgt er 6, -- DM. Im Vereinslokal Diesing soll jeden zweiten Sonntag im Monat eine Zusammenkunft stattfinden. Man entschloß sich für den Vereinsnamen "Vogelzucht- und Vogelschutzverein Waldkirchen und Umgebung".

In der anschließenden Aussprache gab Vizepräsident Sepp Fischer noch wichtige praktische Hinweise zur Vogelzucht. Es wurden auch organisatorische Fragen besprochen. Daß der Winter "ein harter Mann ist" habe gerade wieder der zu Ende gehende Winter 1980/81 bewiesen. Die Vogelschutzarbeit in dieser Jahreszeit gehöre zu den wichtigsten Aufgaben, aber auf keinem Gebiet herrsche so viel Unkenntnis wie gerade bei der Winterfütterung. Neben der rechtzeitigen Fütterung sei auch die richtige Fütterung letztlich mit eine Frage des Überlebens für die Vögel. Heute müsse man davon ausgehen, daß die natürlichen winterlichen Speisekammern nicht mehr ausreichend vorhanden sind.

Die Vorstandschaft wird versuchen, die Mitgliederzahl möglichst schnell zu erhöhen, um vor allem auch den Vogelschutz die ihm zustehende breite Basis geben zu können. Wie Vorsitzender Hermann Mayer sagte, sollten möglichst viele Bürger aus "Stadt und Land" dafür gewonnen werden. Aber auch mit Tierschauen will man bald an die Öffentlichkeit gehen, weil die bunte Vielfalt unserer Vogelwelt nicht nur bei uns daheim zu sehen sein soll.

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