Kapellenverein Ensmannsreut e.V.

Befundbericht


Restaurator Kellhammer

B E R I C H T: Böhmzwiesel, Flurkapelle Ensmannsreut, Auftrag zur Befunduntersuchung, Unser Schreiben v. 07.10.96,Mündl. Vereinbarungen

Nach Auftragserteilung und telefonischer Vereinbarung mit Herrn Stockinger in Ensmannsreut, haben wir bis zum 25.10.96 eine Befunduntersuchung zur Ermittlung der Schäden und Erstfassungen durchgeführt, mit folgendem Ergebnis:


1.Mauerwerk:

Die Mauern der Kapelle bestehen aus Granitbruchsteinen, mit Kalkmörtel verfugt; die Giebelfelder sind mit Zie­geln gemauert, innenseitig unverputzt. Im nord- u. nord­ostseitigem Eckbereich sind statische Risse ab Fundament aufgetreten, teils weit klaffend. Ursache: instabiler, weicher Untergrund. Das Wurzelwerk von mehreren hochwachsenden Erlen ist seit längerer Zeit in das aufgerissene Mauerwerk eingewachsen. Reste der Wurzeln sind im korro­dierten Mauerwerk sichtbar. Die Bäume wurden inzwischen entfernt und ein Teil des Fundamentes an der Nordostecke freigelegt.

2.Wände außen:

Die Außenflächen sind in Doppelfelder mit barock verkröp­ften Lisenen gegliedert. Binnenfelder: Rieselputz, Lies­enen: glatter Kalkputz. Ab Bodenniveau bis ca. 1,00m ist der Kalkputz korrodiert, teils schollig abblätternd, bzw. zum Mauerkern zermürbt.

Ursache: aufsteigende Feuchtigkeit mangels Drainage und isoliertem Fundament. Es konnten zwei Grundierungen, ein Weißenstrich und zwei Ockerfärbelungen festgestellt worden.

3.Eindeckung:

Die Dacheindeckung besteht z.Zt. aus angewitterten, aber weitgehend intakten Falzziegeln mit Windbrettern abge­schlossen. Nach einer ersten Besichtigung des Dachraumes (kurzzeitig ein Stück geöffnet) ist die Verbretterung des Kapellemplavonds im Binnenbereich gut erhalten.

4.Türe:

Das Türgewände mit der konkav gemeißelten Jahreszahl 1749 im Sturz, besteht aus gestocktem Granit. Die seit­lichen Faschen wurden zu einem späteren Zeitpunkt in Kalkputzmaterial appliziert. Es ist eine neue, massive Holztüre, im oberen Teil dekorativ durchbrochen, vorhan­den; vermutlich nach originalen Resten gefertigt.

5.Wände innen:

Die Innenflächen sind feingeglätteter Kalkputz. Mehrere diagonale durchgehende Mauerrisse (s. Pkt.1), vor allem in den Eckbereichen. Über der Grundierung liegen insge­samt drei farbige Fassungen und zuletzt Weißtünchungen: der originale Kalkputz ist a fresco eingefärbelt, mit einfach liniertem Sockelpanel und einer doppelten, brei­teren Linierung unter dem stuckiertem Wulst der Voute. An den Seitenwänden findet sich die Darstellung von a­ fresco gemalten 5 Heiligen auf dem hellrötlichem Ocker. Die Heiligenfiguren wurden späterzeitlich dilletantisch übermalt und bei nachfolgenden Weißtünchungen nur noch schlampig abgesetzt (ungenaue Ränder der Malerei).

6.Plavond (Decke):

In einem vertieften Deckenspiegel mit umlaufender Voute und Stuckleiste befindet sich ein barockes Deckenfresko: Darstellung der "Himmelfahrt Mariens“. Das Fresko ist original, Übermalungen waren nicht feststellbar. Die ge­samte Plavondfläche mit dem Deckenbild zeigt längsachsi­ge Risse. Diese Risse sind im Verlauf identisch mit den dahinter liegenden Brettern des Dachbodens. Der Träger­ putz auf Rohrgeflecht ist stellenweise bereits von den o. g. Brettern abgerissen und abgelöst. Das Deckenfresko hängt in starken Verwerfungen nach unten. Gefahr von Totalverlust bei Berührung oder Erschütterungen!!

Eine fachresteuratorische Abspreche ist bei Sanierungsbeginn dringend erforderlich!

7. Allgemeines:

Wie man uns gegenüber äußerte,. würde evtl. Herr Konser­vator B. Herrmann vom Bayer. Landesamt für Denkmalpfle­ge eine Eindeckung der Kapelle mit Holzschindeln be­grüßen.

Wir haben deshalb jetzt 2 Anfragen veranlasst, wegen Beschaffung preiswerter und qualitätvoller Schindeln.

Gleichzeitig wurde ein Holzschindelmuster als Probestück für den Winter erbeten. Antworten stehen derzeit noch aus.

Wir haben der Dorfgemeinschaft vor Ort Vorschläge unterbreitet zur Überbrückung der Wintermonate bis zum Beginn der Sanierung im nächsten Frühjahr: u.a. eine luftdurchläßige Verschalung der Fundament- u. Schadensbereiche. Je nach Witterung sollte der Bretterschutz erst nach dem Besuch von Herrn Konservator Herrmann erfolgen. Wir ersuchen um fdl. Mitteilung des nächsten Ortstermins mit dem BLfD, der vermutlich Anfang November stattfinden soll.

Kellberg, den 31.Okt.1996