Kapellenverein Ensmannsreut e.V.

Denkmalpflege

Bayer. Landesamt für Denkmalpflege

Postfach 10 02 03 – 80076 München

Landratsamt Freyung Grafenau z. Hd. Herrn Binder

94075 Freyung

Betr.: Vollzug des Denkmalschutzgesetzes;

Hier: Ensmannsreut, Stadt Waldkirchen, Lkr. Freyung- Grafenau,, Flurkapelle

Bezug: Ihr Schreiben vom 27.03.1997, Az.: III/31-324-C230

Mit Schreiben vom 27.3.1997 wurden dem Landesamt für Denkmalpflege eine Kostenschätzung für die bauliche Instandsetzung sowie ein Kostenangebot der Restaurierungswerkstätte Kellhammer, Kellberg, vom 7.1.1997 für die Restaurierungsarbeiten an der Flurkapelle in Ensmannsreut zur Stellungnahme vorgelegt. Die kleine barocke Kapelle ist als Baudenkmal in der Denkmalliste für den Landkreis Freyung-Grafenau aufgeführt. Zu der beabsichtigten Instandsetzung erfolgten im Laufe des letzten Jahres verschiedene Ortsbesichtigungen.

Bei der Flurkapelle in Ensmannsreut handelt es sich um einen kleinen Satteldachbau, der sich an einem Hang über der gleichnamigen Ortschaft befindet. Die Fassaden sind mit einem Rieselputz versehen, der von glatt aufgeputzten Lisenen mit in die Fläche ausbauchenden Ecken gegliedert wird. Die erneuerte Eingangstür wird von einem Granit-Türgerüst gehalten, das in seinem Sturz die Jahreszahl 1749 aufweist. Eine erhabene Rahmung des Gewändes wurde aufgeputzt. -Der kleine Kapellenraum wird vom Deckengemälde "Himmelfahrt Mariens“ - aufgebracht auf die einfache Voutendecke in ein vertieftes rechteckiges Feld mit viertelkreisförmig eingezogenen Ecken - und von fünf auf die Wandfläche gemalten Heiligen bestimmt.

Um die in die Rückwand eingelassene Altarnische ist ein hölzerner Zierrahmen angebracht; hier war eine Skulptur "Christus an der Geißelsäule“ aufgestellt. Kreuzwegstationen und Votivbilder befinden sich an den Wänden.

Die gesamte Kapelle befindet sich in schlechtem Zustand und bedarf dringend einer umfassenden fachlichen Instandsetzung. In Ermangelung einer ausreichenden Gründung und durch Gehölzwurzeln sind im Laufe der Jahre massive Risse entstan­den, vor allem der Sockelbereich weist einschneidende Putz- und Mauerwerksschä­den auf. Akute Einsturzgefahr besteht für den Plafond (Decke im Innenraum) mit dem Gemälde, wo sich eine große Zahl von Rissen und bedrohliche Hohlstellen zeigen.

Dass sich der Kapellenverein Ensmannsreut der für die Gegend bedeutenden spätbarocken Kapelle angenommen hat, wird seitens des Landesamtes ausdrücklich begrüßt. Die vorliegenden Unterlagen zur Instandsetzung und Restaurierung entsprechen vom Grundsatz her den gemeinsamen Absprachen, das Landratsamt Freyung-Grafenau wird gebeten, für die Maßnahme die Erlaubnis nach dem Denkmalschutzgesetz zu erteilen. Folgende Auflagen sind jedoch aus denkmalfachlicher Sicht in den Erlaubnisbescheid aufzunehmen:

1.) Die Instandsetzung und Restaurierung ist Grundlage der von der Direktion für Ländliche Entwicklung, Landau a. d. Isar, mit Datum vom 10.1. 1996 er­stellten Kostenschätzung und dem von der Restaurierungswerkstätte Kellham­mer, Kellberg, mit Datum vom 7.1.1997 aufgestellten Kostenangebot durchzuführen.

2.) Vor Beginn der baulichen Instandsetzung ist in jedem Fall eine ausreichende Sicherung es Deckenputzes mit dem Gemälde durchzuführen. Jede Erschütterung könnte in dem derzeitigen Zustand der Decke zu großen Verlusten führen.

3.) Sämtliche intakten Putze sowohl im Kapelleninneren als auch an den Fassaden sind so weit wie möglich zu erhalten und handwerklich auszubessern. Der Flächenputz ist nach dem Bestand als Riesel zu ergänzen, die Lisenen glatt zu putzen. Auf die Verwendung eines dampfdiffusionsfähigen Putzmaterials ist zu achten. Die ins Mauerwerk eingewachsenen Wurzeln sind vorsichtig von Hand zu entfernen.

4.) Musterachsen zur Freilegung der Erstfassung - Übermalungen bei den Heiligen, Linierungen, Quaderung - und deren Retusche sowie zum Anstrich der Fassaden sind mit dem Landesamt abzustimmen. Der Fassadenanstrich ist mit einem dampfdiffusionsfähigen Material vorzunehmen.

5.) Eventuell erforderlicher Mauerwerksaustausch und Unterfangungen sowie Aus­hubarbeiten sind äußerst vorsichtig von Hand auszuführen.

6.) Die vorhandene Dachkonstruktion ist - so weit intakt zu erhalten und zimmermannsmäßig instand zu setzen. Wie auch bei den Arbeiten am Mauerwerk. die mit Erschütterungen verbunden sein können, ist auch hierbei höchste Vorsicht geboten, um keine zusätzlichen Schäden an der Voutendecke und dem Gemälde zu verursachen. Bei absehbaren Problemen ist umgehend der betraute Restaurator zu Rate zu ziehen.

7.) Die Dacheindeckung ist mit naturroten Biberschwänzen vorzunehmen, wobei Firstziegel mit einem ungefärbten Mörtel zu verlegen sind. Entlang dem Ortgang sind unprofilierte Windbretter anzubringen.

8.) Vor einer Entscheidung zur Behandlung des Granit-Türgerüstes ist durch den Restaurator zu klären, ob dieses jemals steinsichtig oder jedoch seit der Erbauungszeit gefasst war. Das Landesamt für Denkmalpflege ist über das Ergebnis zu unterrichten.

9.) Ein kurzer Restaurierungsbericht mit Photodokumentation der restaurierten Kapelle und Ausstattung (hier zumindest zu Altar und Skulpturen) ist dem Landesamt nach Abschluss der Maßnahme zukommen zu lassen.

Einen Abdruck des Schreibens erhalten der Kapellenverein Ensmannsreut, zu Händen Herrn Stockinger, die Restaurierungswerkstätte Kellhammer, Kellberg, sowie die Direktion für Ländliche Entwicklung, Landau a. d. Isar, zu Händen Herrn Ltd. Baudirektor Stern.

I.A. (Dipl.-Ing. Bernhard Herrmann) Konservator