Kapellenverein Ensmannsreut e.V.

Zwischenbericht

Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege z. Hd. Herrn Konservator Bernhard Herrmann

Postfach 100203 - 80076 München - 10.07.1997

Betr: Ensmannsreut, Flurkapelle Restaurierungsmaßnahmen

ZWISCHENBERICHT

1. Innenbereich.

Zwei erste Maßnahmen zur Sicherung des Deckenfreskos sowie der neutralen Plafondflächen wurden durchgeführt, des weiteren die Erstfassung der Decke freigelegt (Kellhammer).

Die Wände und die Voute mit Stuckleiste wurden w.o. freigelegt. Entgegen anfänglicher Mutmaßungen waren alle Wandbilder entstellend neuzeitlich übermalt. Hier könnte jetzt generell die originale Erstfassung von allen 5 Heiligenderstellungen (in beschädigten Originalzustand) freigelegt werden (Kellhammer).

Der Lehmboden mit einem ganzen Netz eingewachsener Baumwurzeln wurde abgegraben und ein Estrichbodenfundament gelegt (Dorfgemeinschaft).

Auf unsere Vermittlung hin,. konnte historisches Plattenmaterial ad hoc und gratis beschafft werden und liegt in der Zimmerei Parockinger auf Lager.

2. Außenbereich

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Eine 4-seitige Fundamentsicherung und Drainagemaßnahme wurde durchgeführt. Marode, Teile des Rieselputzes und der Pilastergliederung unter Beibehaltung erhaltensmöglicher Originalpartien (Bänder) wurden entfernt. Beim Abschlagen bzw. Abkratzen- (per Hand) zeigten sich teilweise größere Mauerschäden und Setzfugen. Das gesamte Mauerwerk wurde ausgeblasen und mit Bruchsteinen und diffusionsfähigem Mörtelmaterial ausgefugt. Dabei wurden die eingewachsenen Baumwurzeln (stellenweise von erheblicher Dicke) weitgehend entfernt und die wenigen Reste devitalisiert.

Unsererseits wurde öfters auf den möglichst weitgehenden Erhalt des Dachstuhls hingewiesen. Lt. Aussage von Zimmerermeister J. Parockinger sen. seien die Sparren und Pfetten nicht mehr haltbar, auch nicht mehr auszubessern. Erst noch heute wurde auf meine telefonische Anfrage mitgeteilt, dass ein neu gezimmerter Dachstuhl bereits fertig sei und am kommenden Wochenende per Kran aufgesetzt werden soll. Gemäß unserem Hinweis wird Herr Parockinger sen. alle sichtbaren Holzteile originalgetreu oberflächig per Hand bearbeiten.

Nachdem das BLfD ursprünglich die Dacheindeckung mit Holzschindeln erwog (laut Kapellenvereinsvorstand Stockinger), haben wir uns seit längerem um Adressen von Holzschindelherstellern bemüht und der Dorfgemeinschaft Ensmannsreut dieser Tage einiges (teilweise Museumsadressen) mitteilen können.

Gemäß einer Mitteilung von Landwirt Probst aus Ensmannsreut wurde von seinem Vater 1898 die zuletzt sichtbare Falzziegeleindeckung gestiftet und durchgeführt. Möglicherweise wurden zu diesem Zeitpunkt auch der Dachstuhl und beide Giebelmauern erneuert? Die Giebelfelder weisen nämlich keinen Rieselputz auf und die Bänder sind nicht profiliert sondern nur ockrig (eine Farbschicht) gestrichen.

Auf unsere Empfehlung und Vermittlung hin wer am 23.06.07 Herr Rothenaicher von Keim-Farben zur anstrichtechnischen Beratung vor Ort (grundsätzliche Empfehlung der Denkmalpflege für die bewährten Erzeugnisse dieser Firma). Wegen genauerer Ermittlung der nötigen Keim-materialen ist Herr Rothenaicher bereit, nochmals vor Ort zu kommen.

Wir Werden erst nach Abschluss (Verbretterung) der Dachstuhlarbeiten wieder mit unseren Sanierungs- bzw. Restaurierungsarbeiten fortfahren. Voraussichtlich nicht vor Mitte der nächsten Woche.

Als verantwortungsbewusste Restauratoren möchten wir vermeiden helfen, dass mit der leider üblich gewordenen „Neubaugesinnung“ und den falschen. „Billigkeitserwägungen" a priori schon vorgegangen wird. Daher meinen wir, dass ein „Saubermann“ -Fußboden im Inneren und ein in der Landschaft weithin leuchtendes neues Ziegeldach, angesichts des 250 Jahre alten Kapellchens gewiss nicht im Sinne der Denkmalpflege und der regionalen Traditionen wären.